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Mittwoch, 19. August 2015

was genau wir tun




der kleine begleiter, der inzwischen gar nicht mehr so klein ist, ist ein informeller lerner. das heisst, er saugt die eindrücke seiner welt auf, sortiert und organisiert (der montessorische ordnungssinn, für den ich ein faible hab), und begegnet in seiner welt aspekten und zusammenhängen, die in schulischen institutionen extrahiert und konzentriert behandelt werden.

wir machen (noch?) kein homeschooling oder freilernen und ich werde mich davor hüten, nonformale, aber dennoch explizite lernsituationen einzurichten.

das, was ich mache, ist das anbieten von entwicklungsmaterialien für seine entdeckungsreise:

der kleine begleiter entdeckt zahlen, zahlenreihen, objekte in mengen, zählt ab und rechnet, misst ab - wir kochen und backen (wie viele prisen salz? 10 esslöffel mehl und 15 teelöffel zucker), schauen aus dem fenster (zwei krähen und eine elster), und wenn es ihn juckt, greift er zu einer rechenkarte und wir legen die rechnung mit den steinchen aus dem rechenkasten.
am meisten rechnen wir aber wohl mit lego... (auf dass ich ein pädagogisches loblied singen könnte) - und beim fussballspielen/-gucken

der kleine begleiter findet buchstaben, im sprechen, beim zuhören, auf der strasse und der verpackung - wir schreiben briefe, auf unseren rücken, beobachten unsere lippen, reimen alles und quatsch, und wenn er mag, suchen wir die fehlenden buchstaben im improvisierten buchstabenkasten und legen die worte. wir sagen "b" und "l" und nicht "be" und "el", wir fächern die unzähligen laute des "e" auf (keine minderheiten, nur vielfalt) und wenn er den einen buchstaben im wort nicht hört, gibts ein rätsel dazu (du fährst nicht auf dem oller, sondern auf dem?).
(die geheime wörterkiste mit den aufgerollten wörtern aus seinem sprachschatz hat ihn noch nicht so erwischt - eine idee, die ich aus einem von maria montesori's büchern hab.)

der kleine begleiter liest etwa zwanzigmal täglich die backofenuhr in reiner zahlenfolge ab - jetzt hängt daneben eine gebastelte uhr mit stunden- und minutenzeiger und farblich entsprechenden ziffern zur übersetzung und zum nachfahren der zurückgelegten strecke im kreis. leider kann er meine minutenziffern nicht so gut entziffern... es ist also noch luft nach oben in unserem lebensatelier.



Montag, 17. August 2015

was wir tun


sonne fangen

buchstaben finden

wörter fischen

 abzählen, aufzählen, unterzählen,

mitzählen

 übersetzen



licht sammeln




wir sind noch da, doch.


Montag, 13. Oktober 2014

wasserreise: vale maggia (II)

Atragena, zarte blaue,
Duftig feine, schöne Fraue,
Schwebend leicht in reiner Höh,
Überm dunkelgrünen See.
Ernst Kreidolf
 ganz so sicher, ob wir oben auf zweitausend meter bei robiei im maggiatal tatsächlich mit atragena bekanntschaft geschlossen haben, bin ich mir nicht. vielleicht sollte ich eines der lernspiele ausprobieren, die der verein ernst kreidolf anhand seiner vor beinah 100 jahren erstellten bilder jetzt auf digitalen wegen anbietet (hier). seine alpenblumenmärchen sind zwar pathetisch-kitschig (aus heutiger sicht zumindest), und in einer poetischen sprache, die wahrscheinlich selbst für erwachsene heute ungewohnt und daher schwierig klingt.
aber der zauber, der im feinen blumenhaar wie tropfen hängt, den findet mensch auch bei ernst kreidolf.




viel zauberhaftes haben wir gefunden dort oben, beim umkreisen des stausees.
 


blaubeeren findet der kleine begleiter und ist sich so sicher im kennen der beere, dass er sich gleich eine pflückt (während wir grossen noch ungläubig dazu rennen). 


alpendohlen rufen und kreisen über unseren köpfen, landen in den steilen felsenwänden.




am überraschendsten war mit sicherheit der ausruf des kleinen begleiters: papa, da ist ein murmeltier! und obwohl er noch nie zuvor eines lebend gesehen hatte, hatte er recht. da war eine ganze gruppe vor dem höhleneingang, knabberte an gräsern und aneinander.
das war eine belohnung nach beinah zwei stunden klettern.


Freitag, 25. Juli 2014

marienkäfer





als wir neulich bei freundinnen im garten waren, hatten sie eine beobachtungskiste voller eier, larven und ausgewachsenen marienkäfern dabei. die musste dringend ausgemistet werden. uns flogen die marienkäfer um die ohren! dafür bekamen die, die blieben, eine festbank voller läuse... 
mir ist meine eigene beobachtungskiste wieder eingefallen, die ich als kind mit schnecken, kaulquappen und allerlei anderem kleintier befüllte. (natürlich wurde alles wieder brav freigelassen... natürlich.) und während dann die schulzeit eine grosse leertaste für meine neugier an der natur war, hat der kleine begleiter sie wieder ausgebuddelt.

Freitag, 9. Mai 2014

die raupe sophie




guckt euch mal diesen klebstoff an - ist das nicht erstaunlich? seid ich das buch "nester bauen, höhlen knabbern" von anne möller kenne, muss ich mich manchmal erinnern, wieder in den himmel zu gucken beim spazieren gehen. ständig guck ich blätter haargenau an, ob ich nicht eine kleine insektenhöhle entdecke. und bei sophiendorf ist mir das endlich geglückt (als ich geflüchtet bin, kurz alleine stumm über die liegende weide gestapft).
eine raupe wollte ich auch finden, an den brennesseln eigentlich. für den kleinen begleiter, zum beobachten des raupenabenteuers. aber ich finde immer nur fresslöcher.
bis die raupe zu uns kam. und sich von dem knalligen rot unserer rollenden ketchupflasche verwirren liess.
sie ist klein, grün mit feinen weissen streifen und hat nur ein beinpaar.


 das macht sie zu einem spanner, zu einem familienitglied der geometridae. noch ist es spannend, was oder wer sie mal werden wird, noch ist sie eigentlich neutral, wir haben sie trotzdem sophie getauft. es könnte ein birkenspanner (biston betularia) werden. oder ein birken-jungfernkind. oder einfach ein kleiner frostspanner (wobei ich das nicht glaube, wegen der jahreszeit).




wir haben ihr eine provisorische hütte gebastelt: aus einer 2-l-plastikflasche, mit einem küchentuch, um den ganzen winzigen kot aufzusammeln und noch viel zu viel blattbeiwerk. denn inzwischen denke ich, sie mag bloss birke. also bekommt sie auch nur birke? mal sehen. ein bisschen gemütlich und nicht so steril soll sie es ja schon haben. eben wie in den modernen zoogehegen... ähem.

wisst ihr, was ich mag? den gesichtsausdruck vom kleinen begleiter, wenn er erzählt, wie der schmetterling, wenn sie dann schlüpft, einmal, zwei mal ihre flügel schlägt und davon fliegt, in den himmel. 

so wie diese hier: