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Sonntag, 31. August 2014

nachrichten von den fensterbank-inseln




die feuerbohnen vom kleinen begleiter entwickeln zum sommerende hin nochmal richtig feuer (aus verzweiflung?). letztes jahr waren ihre vorgängerinnen mehr mit dem wachsen an sich beschäftigt, dieses jahr haben wir bereits drei schoten geerntet - und nachdem ich vor etwa anderthalb wochen nochmal mit brennesseljauche gedüngt hab, blühen die damen und verwandeln ihre blüten in feuerrote pralle schoten. und anderthalb stockwerke richtung oben haben sie auch geschafft.






 
die französisch-trockenen mitbringsel machen mich auch ganz froh. obwohl sie im zimmer des kleinen begleiters stehen, hat er zwar nicht viel mit ihnen zu tun. ab und zu ein kleines freudenfest über einen neuen stachligen kleinen bommel oder ein grün-lila blütchen findet aber trotzdem statt. es ist die ehrliche freude über ein immer wieder beobachtbares wachsen, an dem mensch helfend beteiligt war.

 
der farn hat einen sehr grossen topf bekommen, damit einmal aus dem zimmer des kleinen begleiters über nacht ein wald werden wird.
und die bryos... manchmal denke ich, ich sollte mich mehr informieren über diese pflanzen. die unzähligen kleinen bryo-kinder an den blatträndern sind so bezaubernd, dass mensch kein einziges verwerfen möchte. aber was machen wir dann mit 50 bryo-kindern? die zweite entscheidende frage ist: wird die zweite generation den winter überleben? 

auf der anderen seite der fensterbank-inseln kündet sich eine späte taglilienblüte an, die vielen, vielen kapuzinerkressen-samen reifen langsam (worauf ich höchst ungeduldig warte), ein selbst ausgesätes pflänzchen blüht bescheiden und die zitronenmelisse bleibt unglücklich - ich warte noch auf die rechte eingebung, wohin ich sie setzen werde. aus dem hof habe ich den storchschnabel und die japanische segge geholt, da unten zogen sie eindeutig der verwahrlosung entgegen.
  
und dann wachsen im kopf immer mehr gedanken fürs nächste jahr, von ideen bis plänen: mehr farbspiel, mehr blütenfolge, mehr ranken auf der fensterbank soll sein. vor der leseecke vom kleinen begleiter solls wieder strukturierter werden mit gräsern. noch nie habe ich so bewusst so viel gelernt wie in den letzten anderthalb jahren - und kann jetzt beobachten, wie ich versucht bin, mein wissen im dritten jahr strukturierter und dem ort zugewandter anzuwenden.
und der kleine begleiter ist auch noch dabei. 


Montag, 28. Juli 2014

fensterbankinseln: vom giessen

für meine nachbarn
 
lieber seltener mehr giessen als öfter nur ein bisschen.
im zweifelsfall den zeigefinger fingertief in die erde stecken: ist die erde an der fingerspitze noch feucht, muss nicht gegossen werden.


pflanzen sind unterschiedlich. manche mögen's lieber trocken, manche lieber feucht. informieren, aber vor allem: beobachten! im letzten jahr habe ich meine pflanzen kennen gelernt, ihre zeichen zu lesen gelernt - nicht immer bedeuten hängende blätter gleich grossen durst...


die wurzeln sollten auf keinem fall in staunässe stehen. deshalb am besten bereits beim einsetzen in den topf tonkugeln (leicht) oder kies (schwer) als fundament in den topf geben. ein loch im boden des topfes ist ein muss. das daraus ausgelaufene, überschüssige wasser sollte nach einer stunde weggekippt bzw. wieder in die giesskanne gekippt werden.

um bei feuchter erdoberfläche zu verhindern, dass viecher einziehen, die erde mit einer feinen schicht sand besieben.


die gesamte erde im topf begiessen: die wurzelhärchen, also die enden der wurzeln, befinden sich nicht in der mitte des topfes!

handwarmes wasser benutzen. also zum beispiel die giesskanne befüllen und ein paar stunden stehen lassen. wenn möglich regenwasser oder wasser vom gemüse waschen sammeln und zum giessen verwenden.

abends oder morgens giessen. und dabei bleiben. denn die pflanzen stellen sich darauf ein.


 
biologisch düngen heisst: pflanzensude aus brennessel, ackerschachtelhalm oder beinwell verdünnt giessen, bei krankheiten wie pilzbefall oder läusen auch über die blätter sprühen.

Mittwoch, 23. Juli 2014

fensterbankinseln







wieder zu hause war unser erster blick: zu den pflanzen. und ich muss an dieser stelle mal eine hymne an die nachbarn loswerden: bewässerungssysteme für die fensterbank hin oder her, nichts ist so verlässlich wie wunderbare nachbarn!

ich werd euch bald wieder mit mehr nachrichten von den fensterbankinseln beglücken, versprochen. für heute nur so viel:
ich überlege, ob ich aus dem blühenden frauenmantel saatgut gewinnen soll und dann vielleicht nächstes jahr ein paar pflänzchen.
die zitronenmelisse kränkelt gerade ein wenig. nachdem sie gleich zu beginn so geschossen ist, hab ich sie jetzt gekürzt, mit brennessel- und ackerschachtelhalm-sud gedüngt und gepflegt und braunes abgezwickt (danach die schere gereinigt!). mal sehen, ob sie sich erholt.
die bohne ist wieder im vierten stock angekommen. dieses jahr wächst sie weniger in die höhe, bildet dafür aber blüten - was uns gartenzwerge natürlich ungemein freut.
neben der bohne wachsen erbsen, eine winzige lupine, ringelblumen, und wasweissichalles, alles in grün und wild durcheinander. so soll es sein.


Samstag, 10. Mai 2014

die fensterbankinseln: ein insektenhotel




bereits drei marienkäfer (siebenpunkt) haben die flucht ergriffen und sind wieder abgehauen, trotz ganzer blattlausplantagen (die jetzt vom frauenmantel, der trotzig gelb-grün blüht zum schnittlauch gewechselt sind, obwohl ich den schnittlauch doch halb wegen seiner blüten und halb wegen seiner abwehrkräfte für pflanzengenossen dahin gesetzt habe). aber vielleicht zieht im herbst dann doch mal jemand ein, oder nächstes jahr, in unser insektenhotel: blumentopfboden mit ton ausgefüllt, den stockvorrat vom kleinen begleiter geplündert und auf mass zugesägt (die hälfte in topflänge, die hälfte kleiner zum stopfen) und mit einer ebenso zugesägten alten bambusstange gestopft - fertig ist das mondgesicht.

Samstag, 26. April 2014

von läusen, marienkäfern und jauche


auf meine fensterbank-inseln bin ich inzwischen recht stolz. weil ich endlich pflanzen entdeckt habe, die es dort gerne mögen, und die ich schon sehr lange sehr mag. schönes beispiel: frauenmantel. 



also dreifach ärgerlich, wenn der von viechern besiedelt wird, die ich gar nicht haben will, und der frauenmantel auch nicht. was tun auf den fensterbank-inseln, die im dritten stock in zu hohen höhen liegen für einen zufälligen besuch von marienkäfern?



brennesseljauche aus dem garten ausleihen. in einer sprühflasche. und es ordentlich regnen lassen, und dabei die nase zu halten, und ganz schnell das fenster schliessen. mama, warum stinkt das so? (aber hübsch sehen sie wieder aus, die tropfen auf dem alchemistischen blatt, oder?)



marienkäfer aus dem garten ausleihen. in der lupendose des kleinen begleiters. und irgendwann, vielleicht für den winter, oder fürs nächste jahr (frage: wie lange brauchen marienkäferlarven zum schlüpfen?) ein marienkäferhotel für die fensterbank-inseln bauen.
nun also offiziel: ich habe ein neues langfristiges projekt: ich möchte die fensterbank-insel-profitesse werden. jenseits vom gezüchteten geranium (aber ach: das wilde! die kleine, feine waldgeranie!), für den schatten, für die pralle sonne, nach oben und nach unten, mit insekten und gemüse, perma-bio-öko-selbstversorger-das-auge-wächst-mit-politesse, ich möchte alles wissen und alles weitergeben.

 


bis ich meine weisheit vom frauenmantel schlürfen kann, bin ich schon mal ganz glücklich mit maiglöckchen, die schon im april wollen und kapuzinerkresse, die wagemut zeigt.